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Jugendblasorchester Kinderblasorchester

Geschmeidig in allen Registern – Das Freiburger Blasorchester im Konzerthaus (Badische Zeitung vom 16.06.2006)

Wer sie sonst als Randerscheinung wahrnimmt, mochte staunen über die Welt des sinfonischen Blasorchesters. Das "Freiburger Blasorchester", Spitzenensemble des Musikvereins Haslach, führte im Konzerthaus vor, welche Ausstrahlung sie entfalten kann - eine Musikwelt mit eigenem Repertoire, eigenen Klängen, eigenen Stars.
Drei waren zu erleben: Jörgen van Rijen, Soloposaunist des Concertgebouw-Orkest Amsterdam, spielte den Solopart im "T-Bone-Concerto" des zweiten Stars, des niederländischen Komponisten und Arrangeurs Johan de Meij. „T-Bone" heißt im Blechbläser-Jargon die "Trombone", die Posaune; wegen des Beigeschmacks gab de Meij seinem Konzert die Satzfolge „Rare - Medium - Well done". Well done indeed: Van Rijen war ein grandioser Solist. Der dritte Star: das Blasorchester selbst. Eingangs unter seinem Dirigenten Stefan Grefig zeigte es sich mit Mussorgski und Dvorák hellwach und trotz seiner Klangmasse diszipliniert und geschmeidig in alles Registern, von den Flöten bis zum Schlagzeug. Unter de Meijs Leitung wagten sich die etwa 100 Musiker über das übliche Repertoire hinaus: De Meijs Variationsstück "Extreme Make-over" über ein Thema von Tschaikowsky - wunderschön vorgestellt von den Saxophonen - forderte ihnen äußerste Aufmerksamkeit für seine ungeahnt farbigen Klänge ab. Danach feierte sich das Orchester selbst mit Film- und Musical-Medleys. Auch Solist van Rijen kam noch einmal auf die Bühne - mit Arthur Pryors virtuosen Variationen über "Blue Bells of Scotland": Größeren Jubel kann auch die Oranje-Elf nicht ernten.

Friedrich Sprondel

 

 

Freiburger Blasorchester meets Johan de Meij (Pressebericht zum Konzertprojekt 2004)

Ein ganz besonderes Festkonzert sollte es werden, am Sonntag, den 6. Juni 2004 im Konzerthaus in Freiburg. Dafür gab es auch einen gebührenden Anlass: das Freiburger Blasorchester lud anlässlich des 30. Geburtstages seines Jugendblasorchesters den holländischen Komponisten und Dirigenten Johan de Meij zu einem Gastauftritt nach Freiburg ein. Höhepunkt war die Sinfonie Der Herr der Ringe, de Meijs beeindruckendes Opus 1, das sowohl Zuhörer wie auch Musiker schon seit 1988 weltweit in seinem Bann hält.

Und was für ein Festkonzert es wurde! Schon beim Betreten des Saales konnte man seinen Augen kaum trauen: 104 begeisterte Musiker auf der Bühne und ein Freiburger Konzerthaus, das ebenso ausverkauft wie später noch außer Rand und Band sein sollte. Alle Plätze, 1.600 an der Zahl, waren schon eine halbe Stunde vor Konzertbeginn besetzt. Später kommende Gäste, die das Lustrum trotzdem erleben wollten, nahmen bereitwillig auch Stehplätze auf den Seitenrängen in Kauf. Aber auch dies war kein Problem, da jedes einzelne der überwältigenden Werke von de Meij das Publikum sowieso für einen langwährenden Applaus von seinen Plätzen riss.

Obwohl die Geschichte des Musikvereins Freiburg-Haslach schon vor 117 Jahren begann, machte der Verein vor 30 Jahren aus der Not heraus mit der Gründung des 1. Freiburger Jugendblasorchesters einen erfolgreichen Neustart. Die Jugendlichen von damals musizieren teilweise heute noch, allerdings im Freiburger Blasorchester. Für die ganz Kleinen wurde vor einigen Jahren dann noch das Kinderblasorchester aus der Taufe gehoben.

Für de Meij als Komponist ist eine Introduktion überflüssig, und auch als Gastdirigent ist er ein gern gesehener Gast auf den internationalen Konzertbühnen. Einige Tage vor dem Konzert probte der Komponist sehr intensiv mit dem Freiburger Blasorchester, das zu diesem Anlass durch einen Flügel, zwei Harfen und eine Cellogruppe verstärkt wurde. Zusammen mit den stark besetzten Registern der Holz- und Blechbläser resultierte daraus ein voller Klang, der in den Tutti-Passagen kräftig ausholen und de Meijs strömende Melodien lyrisch singen konnte.

Obwohl Stücke wie Der Herr der Ringe oder The Wind in the Willows auf eine natürliche Art und Weise aus dem Orchester zu entstehen schienen, ist der Schwierigkeitsgrad doch um einiges höher als es dem Zuhörer erscheint. Alles dreht sich bei de Meij um eine gute Balance zwischen den verschiedenen Instrumentengruppen, um rhythmische Präzision, um musikalische Leichtigkeit und um das Aufspannen großer musikalischer Bögen. Ganz und gar keine leichte Aufgabe, schon gar nicht für ein Amateur-Orchester. Doch schon am zweiten Probetag hatte das Orchester den Dreh heraus, was nicht zuletzt an de Meijs Können und seiner besonderen Art Musik zu vermitteln lag. In der freundschaftlichen Atmosphäre wurde nicht nur hart gearbeitet - teilweise bis zu 10 Stunden Probe am Tag -, es gab auch Zeit für den ein oder anderen Witz. Außerdem konnte der Dirigent Kraft seiner Erfahrung als Musiker - de Meij ist Posaunist im Orkester de Volharding und im Radio Kammerorchester - auch viele detaillierte spieltechnische Anweisungen geben.

Nach der intensiven Probenarbeit spielte das Orchester im Konzert einen äußerst expressiven und spannenden Herr der Ringe. Die Eröffnung, Gandalf, wurde so energisch dargestellt, als ob die Pforten zu Tolkiens Märchenwelt weit aufgingen. Nach dem feinsinnigen Elbenwald Lothlórien machte das Publikum Bekanntschaft mit dem abschreckenden Gollum, dessen gespaltener Charakter in einem bewundernswerten Solo der Sopransaxophonistin Ruth Blum zum Leben erweckt wurde. Die spannende Tour durch die Minen von Moria endete mit dem schwerelos zum Himmel steigenden Gandalf, gefolgt von einem strahlenden Schlussteil mit den Hobbits - Farbschattierungen, die das Orchester treffsicher umzusetzen wusste.

Wer nach Herr der Ringe daran zweifelte, ob eine Steigerung wohl noch möglich wäre, bekam nach der Pause die passende Antwort. Die Pforten öffneten sich aufs Neue in der Uraufführung von Søren Hyldgaards King´s March aus Till Eulenspiegel, einem würdigen Nachfolger von Elgars Pomp and Circumstance, um danach die schlichte Welt von de Meijs The Wind in the Willows zu betreten. In diesem rührenden Werk skizziert der Komponist zuerst den Fluss, der alle Figuren dieses Kinderbuches verbindet, durch das Orchester wie ein rauschender Bach zwischen den Ufern ausgegossen, um anschließend die Charaktere mit feinem Pinsel zu malen. Herr Kröterich beispielsweise, das ergreifende Fabeltier, von den Posaunen lebensecht gequakt, macht sich einen Spaß daraus, mit gestohlenen Autos herum zu fahren, was dann auch prompt schief geht - am Konzerttag sehr zur Freude der mit Blechen und Radkappen bewaffneten Schlagzeuggruppe.

Nach einer sehr gelungenen Bearbeitung von Dirk Brossés Tintin - Prisoners of the Sun brachte de Meij noch eine Weltpremiere, Klezmer Classics, ein aufpeitschendes Medley jüdischer Fest- und Hochzeitsmelodien. Das feurig aufspielende Orchester stellte den Konzertsaal mit einer Reihe fantastischer Solisten (Ruth Blum, Sopransaxophon; Silke Langweiler, Englischhorn; Susanne Stöhr, Kornett; Maximilian Fütterer, Akkordeon; Franz Amann, Klarinette) vollkommen auf den Kopf. Sekunden nach dem Schlusston entbrannte ein nicht enden wollender Applaus mit Standing Ovations von einem total begeisterten Publikum. (Von mir in dieser Art noch nicht erlebt, auch wenn man aus dem blasmusikverrückten Holland kommt!)

De Meij („Ich habe noch eine Zugabe für Sie") beschloss das musikalische Festmenue mit drei Nachtischen, der Jig von Gustav Holst, Dance I aus der Jazz Suite von Schostakovich und dem Schlussteil der Klezmer Classics. Als Dankeschön für seinen Besuch und sein Wirken überreichte Hornist und Organisator Joachim Maurer de Meij ein sehr passendes Geschenk, eine Nachbildung des goldenen Ringes aus Tolkiens Epos. Ein schöneres Symbol für solch ein magisches Konzert hätte es nicht geben können. Herzlichen Glückwunsch allen Beteiligten.

Anthony Fiumara (Kulturkritiker aus Amsterdam, schreibt für das Tagesblatt TROUW und die CD-Zeitschrift LUISTER)